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„Klimabewusst und glücklich“ leben 

„Klimabewusst und glücklich“ – Christine Eigenbrod zeigt in ihrem gleichnamigen Buch ihren persönlichen Weg und hilft, einen individuell passenden, klimabewussten und glücklichen Lebensstil zu finden. Sarah Alica Rösch von den Psychologists4Future Leipzig stellt euch das Buch vor.

Eine Frau mit buntem Pullover sitzt auf einer Wiese und hält das Buch "Klimabewusst und glücklich" hoch.

Eigenbrod bringt Licht ins Dunkel des Klima-Begriffswirrwarrs – Was ist umwelt-, was klimafreundlich? – und stellt die fantasierte Klimaschutz-Idealwelt der realen Welt mit täglichen arbeits-, familien- und freizeitbezogenen Verpflichtungen und begrenzter Zeit und Ressourcen gegenüber. Einzelne Beispiele aus dem Alltag wie Verzicht auf Plastikfolie um Salatgurken oder Wegwerf- versus Stoffwindeln werden kritisch auf den Prüfstand gestellt. So illustriert Eigenbrod den häufig beobachteten Irrweg, sich ganz auf einzelne klimafreundliche Maßnahmen wie die Verwendung natürlicher Materialien zu fokussieren. Gut gemeint ist eben nicht gleich gut gemacht! Wenn wir beispielsweise sämtliche konventionelle Zahnbürsten gegen Bambuszahnbürsten austauschen, deren sich unterscheidende Lagerung aber nicht beachten, produzieren wir am Ende ungleich mehr Müll und verschwenden Ressourcen.

Wir alle haben ganz unterschiedliche Voraussetzungen, unterschiedliche Tagesabläufe, unterschiedliche Lebensstile. Darauf abgestimmt, sollten wir versuchen, unser Handeln von klimafreundlich zu klimabewusst zu wandeln. Das bedeutet ganz konkret, bewusste Entscheidungen zu treffen, die in der Summe am klimafreundlichsten sind, und nicht viele einzelne „klimafreundliche“ Entscheidungen, die im Gesamten weniger Wirkung zeigen.

Gegen Denkfallen

Das Buch hilft den Leser*innen, Schritt für Schritt Prioritäten zu setzen und die Wirksamkeit einzelner Maßnahmen gegeneinander abzuwägen. Dazu führt Eigenbrod die absoluten Effekte von relativ sehr wirksamen Klimaschutzmaßnahmen vor Augen: So bedeutet die 100-prozentige Plastikeinsparung durch die Nutzung einer Rezykklat-Zahnbürste lediglich eine Jahreseinsparung von 60 Gramm Plastik. Auch die Kurzsichtigkeit mancher politischer Klimaschutz-Maßnahmen, wie etwa des Verbotes von Wegwerf-Strohhalmen, die aus einem absoluten Denken und eingeengten Fokus stammen, kommt aufs Tapet: Die durch ein solches Verbot entstehende Diskriminierung bereits benachteiligter Gruppen wird schließlich zumeist außer Acht gelassen.

So werden den Leser*innen spielerisch psychologische Denkfallen wie „Mehr hilft mehr“ oder „Ganz oder gar nicht“ zugänglich: Mit diesen legen wir die Hürden selbstlos hoch, dass wir sie im Alltag nicht oder zumindest nicht dauerhaft überspringen können. Dabei bleibt die Autorin in ihren Ausführungen wertschätzend für den zugrundeliegenden großen Antrieb zum Erhalt unserer Erde. 

Was wir im Kleinen oft bemerken werden: die Ohnmacht, die man verspürt, wenn man sich zu sehr auf Kleinigkeiten konzentriert. Daher ist die wichtigste Lektion, die wir durch Entscheidungen mit minimaler Wirkung lernen können, das Loslassen.

Durch den wohlwollenden Blick fördert die Lektüre des Buches die Motivation für einen klimabewussten Lebensstil und regt zum kritischen Nachdenken über Konsum und Bedürfnisse an (Stichwort Grenznutzen). Dabei steht die Freude im Vordergrund eines klimabewussten Lebensstils. Und das geht eben am besten, wenn das Tempo von Veränderungen an die Natur des Menschen als Gewohnheitstier angepasst wird. Eigenbrod weist darauf hin, dass eine romantisiert-nostalgische Vergangenheitsbetrachtung der guten alten Zeit, in der wir ursprünglich und nahezu frei von Emissionsausstoß gelebt haben, uns in der Umsetzung konkreter Handlungsschritte hemmt.

Enthusiasmus und Tatendrang

Um die Lesenden nicht übersättigt an Informationen aus der Lektüre zu entlassen, wird abschließend ein praktischer Überblick über verschiedene klimafreundliche und alltagsnahe Strategien in diversen Lebensbereichen (z.B. Wohnen, Arbeit) gegeben. Aufgelistet nach Wirksamkeit.

Und wir brauchen unbedingt ein stärkeres Gemeinschaftsdenken, weg von Schuldzuweisungen.

So steht der Beendigung der Lektüre mit Enthusiasmus und Tatendrang nichts mehr im Wege. Es bleibt ein positives Gefühl, sowohl persönlich mit kleinen Maßnahmen, als auch kollektiv im Austausch mit Gleichgesinnten Wichtiges bewirken zu können.

„Klimabewusst & glücklich. Einfach bessere Entscheidungen treffen – für uns und die Umwelt“ von Christine Eigenbrod ist erschienen 2022 beim oekom Verlag. Hier könnt ihr in eine Leseprobe reinlesen.

Weitere Klimabuch-Tipps findest du in unserer Klimabuchliste.

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